Digitalisierung ist ein systemischer sozialer Interaktions- und Entwicklungsprozess 2018-09-04T15:18:36+00:00
Digitalisierung Entwicklungsprozess

Digitalisierung ist ein systemischer sozialer Interaktions- und Entwicklungsprozess

Ein Digitalisierungsprojekt ist kein Veränderungsprojekt, dass allein durch perfekte Planung und Organisation zum Erfolg geführt werden kann. Gute Planung kann nur verhindern, dass das Projekt aus organisatorischen Gründen in Schwierigkeiten kommt. Digitalisierung Interaktionsprozess und Digitalisierung Entwicklungsprozess

Die digitale Transformation ist zum einen ein (IT)technisches Projekt. Zum anderen ist in es die Steuerung eines sozialen Prozesses und zwar sowohl innerhalb des oder der Projektteams selbst als auch (und vor allem) in den betroffenen Teilen des Unternehmens. Erfolgreich ist ein Digitalisierungsprojekt nur dann, wenn die Ziele überzeugend vermittelt, Widerstände bewältigt und unter Einbeziehung der Betroffenen die notwendigen Umsetzungsschritte gemacht werden.

Digitalisierung Interaktionsprozess und Digitalisierung Entwicklungsprozess

Der Faktor Mensch entscheidet über den Erfolg der digitalen Transformation

Wenn Führungskräfte und Mitarbeitende keinen Handlungsbedarf sehen, wenn aufgrund vorausgegangener Erfahrungen niemand an den Erfolg glaubt oder wenn sich das Projektteam am Widerstand der Fachabteilungen aufreibt, dann hilft keine noch so ausgeklügelte Projektplanung und -steuerung. Soziale Systeme reagieren aktiv und daher nie vollkommen berechenbar.

Mitarbeiter und Teams reagieren unter Umständen stark auf den Ton und die Begleitumstände. Diese Reaktionen sind es, die eine präzise Planung von Veränderungsprozessen schwierig machen und eine allzu detaillierte Planung ins Schleudern bringen. Menschen antworten auf das, was in ihrer Umgebung vor sich geht, mit Gedanken, Gefühlen und eigenen Aktivitäten. Zudem reagieren Mitarbeiter nicht bloß individuell auf stattfindende Entwicklungen. Sie diskutieren untereinander, kommen zu übereinstimmenden Bewertungen oder divergenten Rückschlüssen. Beispielsweise versuchen Menschen, sich Veränderungen zu entziehen, die sie für bedrohlich halten. Sie versuchen, Entwicklungen für ihre Zwecke zu nutzen, wenn sie ihnen neue Chancen und Möglichkeiten bieten oder Schlupflöcher aufzeigen. Gerade weil soziale Systeme leicht eine Eigendynamik entwickeln kommt es entscheidend darauf an, den sozialen Prozess aktiv zu steuern.

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Reaktionen des sozialen Systems aufmerksam beobachten

Das verlangt nicht nur, frühzeitig, sorgfältig und „planmäßig“ zu kommunizieren, es erfordert auch, die Reaktionen des sozialen Systems aufmerksam zu beobachten, sie richtig zu interpretieren und flexibel und schnell auf sie zu reagieren.

Eine zu detaillierte Planung, welche die Reaktionen des Systems vorwegnimmt, statt sie sorgsam zu beobachten, ist eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Denn je detaillierter man geplant, desto größer ist dann auch der Druck, die geplanten Maßnahmen umzusetzen. Daraus entsteht leicht eine Vorgehensweise, die die Betroffenen gegen sich aufbringt, weil sie den Eindruck bekommen, dass auf ihre Anliegen nicht eingegangen wird.

Beim Management von Digitalisierungsprozessen liegt ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Fähigkeit, rasch und flexibel auf die Eigenbewegungen des sozialen Systems zu reagieren, also zum Beispiel schnell und konstruktiv auf Ängste, Gerüchte und Widerstände einzugehen.

Digitalisierung Interaktionsprozess und Digitalisierung Entwicklungsprozess

Digitale Transformation.
Eine neue Fehlerkultur hält Einzug

Glaubenssätze wie: „Das haben wir immer schon so gemacht haben!“ müssen aus den Köpfen aller Beteiligten am Projekt verbannt werden. Auch eine neue Fehlerkultur ist gefragt. Gerade in einem Alles-sehr-genau-perfekt-und-korrekt-Deutschland ein nicht zu unterschätzender Schritt.

Gerade diese Einstellung wird sich in der digitalen Transformation ändern müssen: Neues gelingt nur dem, der sich traut, Fehler zu machen. Daher müssen Mitarbeiter dazu ermutigt werden, auszuprobieren und zu experimentieren. Fehler zu machen – am besten schnell, um sie dann zu korrigieren. Wer neue Lösungen sucht, braucht Transparenz und Neugier, Mut und Kreativität, den offenen Austausch und die Bereitschaft, Fehler zu machen.

Digitalisierung und Ethik

­Digitalisierung und Ethik

Eine entsprechende Unternehmenskultur und neue ethische Werte im Umgang mit den neuen 4.0-Technologien sind notwendig, da 4.0-Software erstmals autonom und selbstlernend in Handlungen im Betrieb eingreift.      

Im Rahmen der digitalen Transformation sollten die Wirtschaftlichkeit (fördert einen bestimmten Nutzen mit möglichst geringem Aufwand), Sicherheit (keine Gefahren durch 4.0-Prozesse für Menschen und Umwelt) und Gesundheit (gesundheitsgerechte Steuerung und Gestaltung der Arbeitsumgebung, der Arbeitsmittel und der Arbeitsorganisation) ebenso betont werden wie die Verantwortung für Beschäftigten (Reflektion, inwieweit die digitale Transformation ugs. Digitalisierung Arbeitsplätze und benötigte Kompetenzen verändert und ersetzt, welchen Wert den Beschäftigten zugemessen wird (z.B. Erfahrungswissen, Fachwissen, Innovationsfähigkeit, Kreativität). Das Kommunikationsverhalten (zuverlässige Kommunikation zwischen Mensch und Software) sowie die Handlungsträgerschaft durch das technische System (teilautonom/autonom) sollten dokumentiert und die entsprechenden Interventionsmöglichkeiten für den Menschen klar sein.

Digitalisierung Experimentierraum

Digitale Transformation.
Gesamtlösung und Experimentierraum zugleich

Immer mehr Organisationen verabschieden sich von den bisher verbreiteten experimentellen Insellösungen, in denen kleine Teams neue digitale Projekte erproben und suchen nach einer kohärenten Gesamtlösung für den gesamten Betrieb. Nichtdestotrotz haben Experimentierräume als Teil des Gesamtprojektes digitale Transformation eine wichtige Bedeutung.

Für eine erfolgreiche digitale Transformation gibt es keine Blaupausen oder 08/15-Konzepte. Es gibt keine pauschalen oder abschließenden Antworten. Digitalisierung heißt etwas Neues zu wagen.

Neben der Bereitschaft, nötige Innovationsbudgets bereitzustellen, braucht es insbesondere Mut zur Fehlerkultur.

Wie kann man neue 4.0-Technologien nutzen, um die Arbeit zu erleichtern? Welche neuen Modelle sind möglich, um den betriebswirtschaftlichen Anforderungen ebenso gerecht zu werden wie den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen? Was bedeutet es dank Laptop und Smartphone nicht mehr an Büro und feste Arbeitszeiten gebunden zu sein für die Mitarbeiterbindung, die Zusammenarbeit mit Kollegen und die Führungsarbeit? Wie schützt man die Gesundheit der Beschäftigten, die fast immer erreichbar sind? Welche Qualifizierungsmaßnahmen sind erforderlich, damit neue Technologien optimal genutzt werden?

Digitalisierungsteams brauchen Räume zum gemeinsamen Probieren und Experimentieren, Scheitern und Verwerfen, Lernen und Verbessern. Was funktioniert, bleibt erhalten, was nicht klappt, wird verändert, weiterentwickelt oder verworfen. Experimentierräume sind der geeignete Ort, Dinge zu erproben und gemeinsam Antworten zu finden.