GBpsych als wertvolles Steuerungsinstrument für die digitale Zukunft

Digitalisierung, Technostress und Computerangst
GBpsych als wertvolles Steuerungsinstrument für die digitale Zukunft


Kernthemen: Digitalisierung, digitale Transformation, Technostress, Computerangst, psychologischer Gesundheits- und Arbeitsschutz, Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, GBpsych und digitale Zukunft


Die digitale Transformation hat es noch schwer im deutschen Mittelstand. Zum einen ist in vielen Gebieten noch nicht die notwendige Infrastruktur für eine zeitgemäße Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle vorhanden. Darüber hinaus stehen viele Unternehmer den möglichen Innovationen in Rahmen der Digitalisierung häufig skeptisch gegenüber, da die Medien nahezu täglich neue Meldungen über den Missbrauch von Daten veröffentlichen. Unterm Strich scheinen die eingeschätzten Risiken im Feld Digitalisierung zu dominieren und versperren, den Blick auf die unternehmerischen Chancen. Abgerundet wird das subjektive Bild durch Befürchtungen seitens der Belegschaften, dass durch die zunehmende Bedeutung von künstlicher Intelligenz der eigene Arbeitsplatz gefährdet sein könnte.

Digitalisierung: Was privat gerne genutzt wird, bereitet im betrieblichen Kontext Sorgen!

Neben den oben skizzierten Phänomenen können weitere Sorgen in den Unternehmen dafür mitverantwortlich sein, dass der digitale Fortschritt eher nachteilig eingeschätzt und somit argwöhnisch betrachtet wird. Viele Beschäftigte und Unternehmer scheinen auch deshalb große Skepsis und Ängste zu haben, weil für das soziale Miteinander sowie den individuellen Gesundheitszustand im Betrieb eher negative Auswirkungen erwartet werden. Was in anderen Bereichen des Lebens oftmals wohlwollend proaktiv mittels Smartphone & Co. genutzt wird, bereitet im betrieblichen Kontext scheinbar größere Sorgen. An den Haaren herbei gezogen sind die Sorgen nicht. In verschiedensten Fachmedien und Studien wird neben den großen Zukunftsversprechen mittlerweile aufgezeigt, dass durch den zunehmend notwendiger werdenden Umgang mit digitalen Arbeitsmitteln spürbare Folgen für die Gesundheit entstehen.

Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien und psychischen Belastungen

Eine aktuelle Studie der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, hat mit Blick auf die psychosozialen Belastungen und potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen eine Literaturstudie unter Einschluss von 41 Beiträgen durchgeführt. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass im Kern 2 übergeordnete Kategorien eingeordnet werden können.

  • Zum einen werden in der analysierten Literatur Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und psychischen Belastungen beschrieben. Hierbei zeigen sich insbesondere die psychosozialen Konsequenzen der Nutzung von Software auf PCs, Tablets und Smartphones. Häufig werden Ängste, Anspannung, Ermüdung oder die Sorge, nicht adäquat mit der Technologie umgehen zu können als Belastungen beschrieben. Überschrieben werden die Phänomene mit dem Begriff „Technostress“. Im Weiteren zeigt sich, dass die Anforderungen der Kommunikationstechnologien mit dem Erleben von Arbeitsstress sowie einem subjektiv schlechteren Gesundheitszustand, bis hin zum Burnout, assoziiert sind.
  • Unterschieden werden die o.g. IKTn von Technologien zur Steuerung von Arbeitsabläufen und Maschinen. Gemeint sind hiermit in erster Linie Maschinen und Geräte, die miteinander vernetzt sind, oder auch die in vielen Arbeitsabläufen bereits integrierten Roboter oder andere Assistenzsysteme. Es zeigt sich, dass eine zu eng verknüpfte Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten und den zu steuernden Geräten, negative Effekte auf die psychische Gesundheit sowie die Arbeitszufriedenheit haben. Aber auch überladene Benutzeroberflächen, zu lange Antwortzeiten von Software oder Arbeitsunterbrechungen durch technische Störungen können zu Stress und Frustration führen.

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Studien zwar Hinweise auf verschiedene Zusammenhänge mit psychischer Belastung zeigen, jedoch der Einfluss moderner Technologien auf die psychosozialen Arbeitsbedingungen aktuell noch vernachlässigt wird. Klar scheint zu sein, dass Ängste der Beschäftigten in der Zusammenarbeit mit Maschinen, Robotern und Computern eine zentrale Rolle spielen.

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Mittelständler durch Digitalisierung

Unternehmerisch betrachtet stellen die zuvor beschriebenen Aspekte in erster Linie zukünftige Risiken dar. Nimmt man die möglichen negativen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Belegschaft sowie die nachteiligen Effekte der Ängste auf die Innovationsfähigkeit eines Betriebes ernst, zeigen sich hier ganz deutlich die Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Mittelständler auf.

Mit ängstlichen Mitarbeitern und Führungskräften, die die digitalen Entwicklungen primär mit zusätzlichem Stress und Frustrationspotenzial assoziieren, wird sich kein Betrieb im nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten können. Diesen Entwicklungen ist zum Glück kein Unternehmer hilflos ausgeliefert.

Nutzung wertvoller Instrumente des Gesundheits- und Arbeitsschutzes

Einmal mehr können etablierte Instrumente des betrieblichen Arbeitsschutzes eine wertvolle Unterstützung bei der Steuerung der Entwicklungen der Digitalisierung liefern. Zunehmend und insbesondere aufgrund der zuvor beschriebenen Auffälligkeiten, zeigt sich der Sinn eines präventiv ausgerichteten und fokussiert psychologischen Gesundheits- und Arbeitsschutzes. Idealerweise sollte dieses, zukünftig immer wichtiger werdende, Handlungsfeld bereits bei der Einführung neuer Technologien mitgedacht werden.

GBpsych als Steuerungsinstrument für die Ausrichtung der digitalen Zukunft

Eine regelmäßige Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GBpsych), unter Beachtung der spezifischen Auswirkungen neuer Technologien, erscheint hierbei zukünftig ratsam. Durch die systematische Erfassung von Belastungen, innerhalb der von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) definierten Merkmalsbereiche, können die jeweils aktuellen Entwicklungen regelmäßig erfasst und aktiv beeinflusst werden. Mit Blick auf die Studienergebnisse sollten ergänzend dann auch begleitende Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen für die Beschäftigten und Führungskräfte angeboten werden, um zu gewährleisten, dass sich die gesamte Belegschaft jederzeit kompetent genug für den Umgang mit den digitalen Neuerungen fühlt.

Richtig angewandt kann die GBpsych somit zu einem wertvollen Steuerungsinstrument für die Ausrichtung der digitalen Zukunft in deutschen Unternehmen werden.

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Derzeit entwickeln wir gemeinsam mit den Kollegen des Fachgremiums der Offensive Mittelstand unter dem Titel „Potenzialanalyse Arbeit 4.0“ einen Selbstbewertungscheck zur Einführung von 4.0-Technologien. Gerne weisen wir an dieser Stelle auf das Buch von Oleg Cernavin „Prävention 4.0“ hin.

 

Digitalisierung

 

2018-09-05T16:46:43+00:00 02.07.2018 |Uncategorized|

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